Wie gelingt der Einstieg in die Mediation?

 

Der Einstieg kann sehr unterschiedlich aussehen. Klar kommt es gelegentlich vor, dass streitende Menschen sich absprechen und sich darauf einigen eine Mediation anzustreben, doch auch wenn es nicht so glatt läuft, gibt es Wege eine Mediation anzustoßen.

Sind Sie sich einig, so nehmen Sie einzeln oder gemeinsam Kontakt mit mir auf und vereinbaren einen Termin.

Hat jedoch Ihr Gegenüber kein Interesse, oder ist einfach noch zögernd  bezüglich einer Mediation, so können Sie mich kontaktieren und mir Ihre Situation kurz schildern. Es besteht dann die Möglichkeit, dass dann entweder Sie einen neuen Anlauf nehmen, Ihr Gegenüber einzuladen sich doch auf Mediation einzulassen, oder dass ich mich um die Kontaktaufnahme mit der anderen Konfliktpartei kümmere.

 

Wie sieht der erste Kontakt gewöhnlich aus?

Der erste Kontakt findet in der Regel telefonisch oder per Email statt. Wichtig zu bemerken ist, dass in diesem ersten Austausch keine Details zum Konflikt besprochen werden. Es werden lediglich das Thema und die Beteiligten Personen benannt, aber im Sinne der Allparteilichkeit findet kein Austausch über Einzelheiten statt. Ort, Kosten und Details zum Mediationsauftrag können besprochen werden, soweit sie sich nicht auf den Konflikt oder am Konflikt beteiligte Parteien beziehen.

 

Sind Mediatorinnen und Mediatoren nicht automatisch auf der Seite der Konfliktpartei, die den ersten Kontakt zu ihnen aufgenommen hat?

Die Fähigkeit, unterschiedlichen Sichtweisen der Streitparteien zu hören, ohne für die eine oder andere Seite Partei zu ergreifen, ist eine  zentrale Fähigkeit von Mediatorinnen und Mediatoren ohne die eine Mediation nicht gelingen kann. Ich bin mir diesen anfänglichen Ungleichgewichts bewusst, und erfrage deshalb im telefonischen Erstgespräch keine Einzelheiten zum Konflikt. Es gibt auch die Möglichkeit in den folgenden Gesprächen  dieses anfängliche Ungleichgewicht  dadurch auszugleichen, indem die Streitpartei die zuvor weniger oder keinen Kontakt mit der Mediatorin hatte, zuerst gehört wird.

 

Immer wieder kommt das Wort Allparteilichkeit vor, was versteht man darunter?

Allparteilichkeit ist etwas weitergreifend als Neutralität.

Allparteilichkeit in der Mediation bedeutet beispielsweise dass die Mediatoren dafür sorgen dass beide Seiten gleichermaßen Gelegenheit bekommen, die Konfliktsituation aus ihrer Perspektive zu beschreiben. Dies bedeutet auch, dass sie ggf. für einen Ausgleich sorgen, indem sie vorübergehend als Sprachrohr der kommunikationsschwächeren Partei agieren. Im Einzelfall kann dies so wirken, als ob sich Mediatorinnen und Mediatoren auf eine Seite schlagen. Dieser Eindruck kann zusätzlich dadurch entstehen, dass sie durch die Art des Zuhörens und Spiegelns anstreben, die Beweggründe, Interessen, Gefühle und Bedürfnisse JEDER Person zu verstehen und nachzuvollziehen. Diese Art des Zuhörens (aktives Zuhören) ist eine Methode um das gegenseitige Verständnis der Konfliktparteien füreinander zu unterstützen.

Neutralität bedeutet, dass Mediatorinnen und Mediatoren ihre persönliche Meinung zum Inhalt des Konflikts aus dem Gespräch heraus halten, sie spielt keine Rolle und wird nicht erwähnt.

Sollte es vorkommen, dass eine Mediatorin/ein Mediator bemerkt, dass die Allparteilichkeit nicht mehr gewährleistet ist, sollte die Mediation abgegeben.
 

Was ist "Aktives Zuhören"?

Die Technik des aktiven Zuhörens beinhaltet, das Gehörte zusammenzufassen, und mit eigenen Worten wiederzugeben. So kann sichergestellt werden, dass die Mediatorin, die Konfliktpartei verstanden hat und auch die Konfliktpartei kann sich ihrer eigenen Aussage und den damit verbundenen Gefühlen nochmals vergewissern, wenn sie diese mit anderen Worten hört. Dieses Zusammenfassen und Wiederholen des Gesagten, kann fälschlicherweise den Anschein von Zustimmung erwecken. Es bedeutet jedoch nicht, dass die Mediatorin die wiedergegebenen Ansichten auch teilt.

 

Gibt es einen Unterschied zwischen Schlichtung und Mediation?

Ja. Bei einer Schlichtung wird von der schlichtenden Person am Ende eine Art Urteil gefällt. In der Mediation gibt es kein Urteil. Die Entscheidungen werden ganz alleine von den Streitparteien gefällt, die Mediatorinnen sind einzig dazu da um den Prozess zu begleiten.

Aus diesem Grund ist es auch überflüssig, die Mediatorin von der eigenen Meinung  überzeugen zu wollen.

 

Wie lange dauert eine Sitzung?

Die Anzahl der Sitzungen lässt sich im Voraus meist nur schwer einschätzen. Sie hängt sowohl vom Umfang und der Komplexität Ihrer Konflikte, als auch von der Bereitschaft zur Mitarbeit als auch der Veränderungsbereitschaft ab. Meist liegt die Anzahl der Sitzungen zwischen 3 und 10.

Wichtig ist, dass ein Endpunkt gesetzt wird. Mediation hat als Endpunkt eine Art Vertrag, in welchem die Lösungen, die gemeinsam erarbeite wurden, schriftlich fixiert werden. Je präziser diese Vereinbarungen, desto höher die Erfolgschancen.

Eine Mediationssitzung dauert in der Regel zwischen 60 und 120 Minuten. Abgerechnet werden nur die Termine die in Anspruch genommen wurden, oder Termine, die vereinbart aber nicht abgesagt wurden.

 

Was möchte Mediation erreichen?

In der Mediation wird angestrebt, eine für alle Beteiligten, zufriedenstellende Lösung, unter Berücksichtigung der Interessen, Gefühle und Bedürfnisse aller Beteiligten zu erreichen.

Ein zentrales Anliegen jeder Mediation ist es, die Konfliktparteien wieder in ein Gespräch zu bringen. Der neu beginnende kommunikative Ablauf ist so zu steuern, dass die Konfliktparteien Sache und Person voneinander trennen; individuelle Wahrnehmungsphänomene als Konfliktfaktoren anerkennen; unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen der Konfliktpartnerinnen oder Konfliktpartner anerkennen und für sich Entscheidungsverzerrungen aufdecken.

 

Was macht Mediation nicht?

  1. Analyse der Vergangenheit und Suche nach Schuldigen
  2. Aufarbeitung der Vergangenheit.
  3. Vorschlagen von Lösungen
     

Was zeichnet Mediation aus?                   

  • strukturiert
  • vertraulich
  • freiwillig
  • ergebnisoffen       
  • allparteilich
  • unabhängig
  • qualifiziert
  • professionell         
  • eigenverantwortlich
  • an einer konstruktiven Lösung interessiert
     

Wann ist Mediation sinnvoll und wann nicht?

Mediation ist häufig ein hilfreicher und wertvoller Weg, Konflikte zu lösen. Überall dort wo Menschen zusammen leben und arbeiten, kann Mediation das Verfahren der Wahl sein. Sowohl im privaten Bereich, als auch in Beruf und Schule findet Mediation Anwendung.

Die Mediation hilft den Konfliktparteien dabei die eigenen Interessen, Gefühle und damit verbundenen Bedürfnisse zu erkennen und zu verbalisieren als auch die der anderen beteiligten Personen wahrzunehmen und zu akzeptieren.

Mediation bietet sich vor allem dann als Methode an, wenn einige der folgenden Punkte zutreffen.

  • Gesprächsversuche enden ohne Ergebnis
  • Es fällt Ihnen schwer, direkt miteinander zu reden.
  • Sie wollen oder müssen in Zukunft in Kontakt bleiben
  • Sie streben eine einvernehmliche Lösung an
  • Es besteht kein Zeitdruck
  • Das Ergebnis steht nicht von vornherein fest
  • Die Konfliktparteien sind bereit sich auf ein Gespräch einzulassen
  • Die Konfliktparteien sind bereit aktiv mitzuarbeiten

Mediation ist in folgenden Fällen nicht sinnvoll bei

  • Fehlender Zuständigkeit
  • Fehlenden Verhandlungsspielräumen
  • Fehlendem Interesse
  • Fehlender Anwesenheit
  • Zeitdruck
  • Psychischer Krankheit
  • Sprachbarrieren
  • Diskriminierender Grundhaltung
  • Körperlicher Gewalt

Was ist mit Schuld und Unschuld?

Bei einer Mediation steht die Frage nach einer eventuellen Schuld nicht im Vordergrund. Veränderungen im Verhalten der Mediationsteilnehmer untereinander werden nur insoweit gefördert, als sie für die verbindliche Lösung des Konflikts notwendig sind. Es ist auch unwichtig was die Mediatorin oder der Mediator über die Situation denkt, und somit irrelevant sie von der eigenen Unschuld oder Schuld überzeugen zu wollen.

 

Ablauf einer Mediation

Vorgespräch/e – meist telefonisch oder per Email

Gemeinsame Sitzung

  1. Auftragsklärung (Phase 1)
    1. Rahmenbedingungen
  2. Themensammlung (Phase 2)
    1. Herausarbeiten der Themen und Konfliktfelder an denen im Weiteren gearbeitet werden soll.
    2. In dieser Phase findet die Kommunikation weitgehend über die Mediatorin, den Mediator statt.
  3. Positionen und Interessen, Sichtweisen- und Hintergrunderkundung (Phase 3)
    1. Dies ist die Phase der eigentlichen Problembearbeitung
    2. Hier erhalten die Beteiligten die Gelegenheit, ihre Sicht des jeweiligen Aspekts des Konflikts zu jedem Themenpunkt umfassend darzustellen.
    3. Hier liegt der Fokus auf dem Übergang von Positionen zu dahinter liegenden Interessen als auch auf Perspektivwechsel
    4. In dieser Phase beginnen die Konfliktparteien wieder in direkten Austausch zu treten.
  4. Lösungsfindung (Phase 4)
    1. In dieser kreativen Phase werden mit Hilfe von Brainstorming bewertungsfrei Lösungsoptionen gesammelt.
    2. In einem nächsten Schritt werden diese bewertet
    3. Eine Aufgabe der Mediatorin  in diesem Moment ist häufig das Verhindern von vorschnellen Lösungen. Es ist wichtig, dass die gefunden Lösungen auf die vorher erarbeiteten Kriterien für eine gerechte Lösung überprüft werden.

Diese Phasen verteilen sich gewöhnlich auf mehrere Sitzungen. Ausgiebig Zeit braucht vor allem Phase 3.

 

Was verbessert sich für mich durch eine erfolgreiche Mediation?

  1. Meist ändert sich auch das Verhältnis der Streitenden zueinander.
  2. Bezüglich der Problemlösung ziehen sie an einem Strang.
  3. Die Konfliktparteien entwickeln ein wertschätzendes Miteinander.
  4. Es fällt ihnen leichter, andere Sichtweisen nachzuvollziehen
     

Wenn ich aus der Mediation aussteigen möchte?

Wenn Ihre Bereitschaft zur Mitarbeit gesunken ist, halte ich es für wichtig zu sehen ob es sich vielleicht um eine vorübergehende Unlust handelt, ob sie vielleicht aus einer Verletzung entstanden ist, oder aus einer Hoffnungslosigkeit. Jede Mediation beruht zu jedem Zeitpunkt auf Freiwilligkeit, es steht Ihnen also jederzeit frei, den Prozess abzubrechen.

Zu Beginn einer Mediation erfrage ich von Ihnen gewöhnlich die Bereitschaft, im Falle eines Abbruches noch einmal ein Einzelgespräch mit mir zu machen. Meist bekomme ich diese Zusage. Doch auch dies bleibt am Ende ganz alleine in Ihrer Hand.

Mediation, Beratung und Coaching in Hannover

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Bettina Wolpensinger